Basketball-Narr lebt seinen Traum beim VfL Stade

21.09.26 – Der VfL Stade geht nach dem Abschied einiger Leistungsträger und des langjährigen Trainers in eine spannende Saison. Der neue Coach ist jung und kompetent. So tickt er.

Er war Co-Trainer unter Joan Rallo Fernandez, der den Stader Basketball über Jahre prägte. Nun darf Adria Martin in dessen Fußstapfen treten.

Schon als Kind beobachtete Adria Martin weniger die Korbwürfe, sondern mehr die Trainer an der Seitenlinie. Heute steht der 25-Jährige selbst dort – als neuer Headcoach des VfL Stade. Zwölf Jahre trennen Marvin Boadu, den ältesten Basketballspieler beim Regionalligisten VfL Stade, von dessen neuem Headcoach Adria Martin.

„Alter ist nur eine Zahl“, bemerkt der 25-jährige Aufsteiger vom Co-Trainer zum Chef an der Seitenlinie im Sportcampus Stade (SCS). Um gleich anzufügen, dass genau diese Frage, ob er nicht zu jung sei als Headcoach von älteren Akteuren, ihm dauernd gestellt würde und er sie nicht mehr hören könne.

Der Weg zum Trainerjob zeichnet sich früh ab

„Ich spiele seit meinem dritten Lebensjahr Basketball und hatte schon immer vor, Trainer zu werden. Ich erinnere mich, dass ich als Kind mit meinen Trainern gesprochen und sie gefragt habe, wie sie die Trainingseinheiten vorbereiten und sie sagten mir, ich würde auf dem Spielfeld schon wie ein Trainer wirken“, berichtet der junge Mann aus dem Nordosten Spaniens. Diese Worte seiner Trainer hätten für zusätzliche Motivation gesorgt, an seinen Traum als Chefcoach zu glauben.

„Als 15-Jähriger begann ich als Teammanager einer U13-Mannschaft in meiner Heimatstadt zu arbeiten. Seitdem habe ich Schritt für Schritt meinen Weg fortgesetzt, bis ich hier in Stade angekommen bin“, so Martin, der sich hier vom ersten Tag an wie zu Hause gefühlt habe. Nur eines überraschte den Südeuropäer, der vor der Saisonvorbereitung mit dem VfL auch wieder in seiner katalanischen Heimat war: die Winter in Deutschland.

Spieler kennen ihn und schätzen seine Arbeit

Einen wichtigen Spieler wird Martin allerdings nicht mehr zur Verfügung haben. Kerem Baysalli, der Topscorer der Vorsaison, hat den VfL Richtung Westen verlassen. „Adria hat echt viel Wissen, wenn es um Basketball geht und ich bin gespannt, wie er das umsetzt“, so der Dreipunkte-Experte, der zu den Hertener Löwen in die 2. Bundesliga ProB wechselte.

„Seine Stärken sind definitiv in der Spielvorbereitung, bei Taktik und Spielsystemen. Ich bin mir sicher, dass er dem Team da Sicherheit geben kann“, sagt Adrian Bergmann, der den Stader Basketball am Saisonende ebenfalls verlassen hat und sich auf seine berufliche Zukunft als Physiotherapeut vor allem bei den Fußballern der SV Drochtersen/Assel konzentriert.

Robert Heise dürfte dagegen bald wieder zur Verfügung stehen. Seine Kreuzband-Operation liegt inzwischen ein halbes Jahr zurück. Der Point Guard hofft, zumindest einen Teil der Saison unter dem Brett mitwirken zu können. „Wir haben Adria als Co-Trainer kennengelernt. Er ist ein sehr analytischer Coach. Für sein Alter ist er da schon sehr, sehr weit. Wir freuen uns alle, in der kommenden Saison neuen Wind reinzubekommen“, meint der Rekonvaleszent.

Der neue Cheftrainer werde sicher einige Dinge verändern. Den Grundprinzipien der spanischen Basketball-Schule werde er aber sicherlich treu bleiben.

Basketball-Narr kann auch abschalten

Franziska Kinder gehört zum Management rund ums Team und ist ganz eng dran an den Akteuren. Sie bringt es kurz und knapp auf den Punkt: „Adria ist einfach ein liebenswerter junger Mann.“ Und VfL-Manager Thomas Bolz beschreibt seinen neuen Coach in einem Satz so: „Er ist ein sehr gut ausgebildeter junger Basketball-Narr!“

Und wie ist Adria Martin außerhalb der Sporthalle ohne das 650 Gramm schwere Spielgerät? „Ich versuche abzuschalten, treibe Sport, gehe spazieren oder schaue Serien. Dabei bin ich bemüht, nicht zu viel über meine Arbeit nachzudenken“, erzählt der Mann mit dem Lockenkopf. Seine Spaghetti Carbonara sind legendär. Bei Reggaeton-Musik, einer mittelamerikanischen Mischung aus Hip-Hop, Merengue, Salsa, Bachata und Reggae, entspannt der Coach und versucht seine Deutschkenntnisse zu erweitern.

Besonders gefällt ihm das deutsche Wort „Entschuldigung“. Warum, weiß er selbst nicht. An „Quietsche-Entchen“ dagegen scheitert der Katalane regelmäßig. Zum Glück kommt der Begriff im Basketball, wo zumeist Englisch kommuniziert wird, nicht so oft vor.

Sonst mag Martin lieber Kaffee als Tee, eher das Meer als die Berge, zieht Netflix einem Buch vor, ist überrascht vom wechselhaften Wetter in Norddeutschland, liebt Paella und Fußball, wenn es mal nicht um Basketball geht.

Sein ganzes Leben dreht sich um Basketball

„Meine Mutter erzählt mir, dass ich als Baby immer vor dem Fernseher saß und Basketballspiele geschaut habe. Meine Eltern haben mich geprägt und mir vom ersten Tag an vertraut, als ich ihnen sagte, dass ich Profi-Trainer werden wollte“, verrät Adria Martin, aber auch, dass es ihm besonders schwer gefallen sei, seine Heimat mit 21 Jahren zu verlassen, um den Traum zu leben, an dessen Beginn er nun steht.

Am kommenden Samstag steigt der VfL Stade beim TSV Bargteheide Bees in die Saison ein. „Es wird eine ganz spezielle Partie beim letztjährigen Meister, der ja nicht aufgestiegen ist. Wir freuen uns riesig darauf“, sagt Martin. „Wir hatten eine gute Vorbereitung. Wir wissen, wie wir spielen wollen. Die Integration der neuen Spieler klappte. Wir sind absolut wettbewerbsfähig“, so der Coach zuversichtlich vor der „sehr, sehr langen Saison mit 30 Spielen.“

Jetzt beginnt für den 25-Jährigen der schwierigste Teil seines Traums: Er muss beweisen, dass aus dem Jungen, der einst seine Trainer mit Fragen löcherte, ein erfolgreicher Cheftrainer geworden ist.

Quelle: Tageblatt
Foto: Jörg Struwe - picselweb.de

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